6,5 Prozent Lohnzuwachs für die Tarifbeschäftigten sowie Übertragung des Ergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten des Landes forderte Karola Stötzel, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW-Hessen, zur ersten Verhandlungsrunde Anfang Februar in Wiesbaden. Am 22. Februar gehen die Verhandlungen auf der Arbeitsebene in die zweite Runde.

Im Schulbereich in Hessen arbeiten derzeit über 9.000 Tarifbeschäftigte. „Über zwei Drittel dieser angestellten Lehrerinnen und Lehrer haben nur befristete Verträge. Viele von ihnen erhalten nach wie vor keine Bezahlung in den Sommerferien. Diese Praxis, die den Betroffenen keine Perspektiven bietet, muss deutlich eingeschränkt werden“, erläutert Karola Stötzel die Position der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Eine Praxis, die mittlerweile auch im Hochschulbereich zu einer starken Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse führt. 

„Inklusion ist in Hessen nicht gewollt und wird verhindert“

06.10.2012 - ALSFELD

(gsi). Wie vertragen sich Schuldenbremse und inklusive Bildungspolitik? Am Donnerstagabend hatten der Kreisverband Vogelsberg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Kreisverband Alsfeld der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu einer öffentlichen Diskussion dieser Frage nach Eudorf eingeladen.

Nun ist die Katze aus dem Sack! Die Zuweisung der Ressourcen, also der Stunden, die ein Kind mit Förderbedarf an einer allgemeinbildenden hessischen Schule erhält, ist in den Schulen angekommen. Für die meisten Kinder, die endlich aufgrund der UN-Menschenrechtskonvention in der allgemeinbildenden Schule aufgenommen werden können, bedeutet dies eine extreme Verschlechterung ihres individuellen Lernweges. Konnte das Kind noch im letzten Schuljahr damit rechnen im Rahmen des gemeinsamen Unterrichts eine Förderung durch eine besondere Lehrkraft von beispielsweise 5 Stunden zu erhalten, in einer Klasse zu sein, die mit höchstens 20 Kindern für die besondere gemeinsame Lernsituation zugeschnitten war und ,durch die Beratungs- und Präventionskompetenz einer Förderschullehrkraft gestützt, an der jeweiligen Schule eine Lehrerin zu erhalten, die so zunehmend  professionalisiert wurde, hat es im kommenden Schuljahr davon fast nichts mehr zu erwarten. Dramatische Kürzungen in allen Bereichen der Sonderpädagogischen Förderungen führen zu Kapriolen, die man mit gesundem Menschenverstand nicht erklären kann. Hat so zum Beispiel eine Schule mit einer Philosophie des gemeinsamen Lebens und Lernens beschlossen, die Kinder mit einem besonderen Förderbedarf aufzunehmen und ihnen vor Ort in der Gemeinschaft ihren Platz nicht mehr zu verweigern, wird sie mit einer minimalistischen Zuweisung bestraft. Schulen, die von vorneherein abwiegelten und Kinder, aus welchen Gründen auch immer, nicht aufnehmen wollten, bekommen doch noch eine Nachsteuerung an Stunden. Da bleibt ein fader Beigeschmack! Sollten damit Eltern, die doch an einen Weg durch die juristischen Instanzen dachten, beschwichtigt werden? Fakt ist, dass z.B. an einer Schule, die im kommenden Schuljahr für drei Kinder einen Stundenbedarf von 15 h bekundet hat, in dieser Zuweisung 2,4 h erhält. Das ist so nicht hinnehmbar. Nicht umsonst braucht ein Kind mit besonderem Förderbedarf auch mehr Zeit, mehr Zuwendung und jemanden, der sich ganz speziell mit seinen Bedürfnissen beschäftigt. Dies ist die zentrale Aussage der UN-Behindertenrechtskonvention! Abgesehen davon, braucht jedes Kind in unseren Schulen diese Art von Zuwendung, damit alle mit gleichem Recht auf Bildung ihren Weg ins Leben nehmen können. Auch die hessischen Lehrerinnen und Lehrer haben ein Recht auf angemessene Arbeitsbedingungen. Wenn man ihnen immer mehr aufbürdet, werden sie unter der Last zusammenbrechen. Wie es dann um angemessene Vertretungen bestellt ist, haben die hessischen Eltern ja in den letzten „U-Plus-Jahren“ zur Genüge erfahren. Mit dem Wechsel im Kultusministerium sollte jetzt die Chance genutzt werden, endlich mit dieser unsäglichen Politik des Sparens am falschen Ende aufzuhören. Hoffentlich erkennt die neue Kultusministerin Nicola Beer die Zeichen der Zeit rechtzeitig!

 

Karin Hämmelmann, GEW Fachgruppe Grundschule

Wir danken unseren Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen. Im Kreisverband Alsfeld wurde folgendes Abstimmungsergebnis erzielt

Beamte
  GPRLL HPRLL HPRLL (GI-VB)
GEW 70,5% 67,5% 72,0%
DLH 14,5% 17,1% 14,2%
UL 9,4% 7,9% 9,2%
VBE 5,7% 7,6% 4,6%
Arbeitnehmer
  GPRLL HPRLL HPRLL (GI-VB)
GEW 100% 80,5% 87,0%
DLH - 19,5% 13,0%

Die Gesamtpersonalratswahlen im Überblick gew-hessen.de

Jedes Kind hat das Recht auf Inklusion!

Das Recht auf inklusive Bildung ist ein Menschenrecht!
Wir fordern,  dieses Recht  sofort umzusetzen!

Dies bedeutet, dass entsprechende organisatorische, personelle und finanzielle Bedingungen geschaffen werden müssen und inklusive Bildung nicht unter einen Vorbehalt gestellt werden darf. Der vorliegende Entwurf der Verordnung über Unterricht, Erziehung und sonderpädagogische Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen (VOSB)  erfüllt die Anforderungen an ein inklusives Bildungssystem nicht! Ihre sogenannte “inklusive Beschulung“ ist nur eine schlechte Fortsetzung des gegenwärtig eingeführten “Gemeinsamen Unterrichts“ - mit weniger Lehrerstunden, größeren Klassen und komplizierteren bürokratischen Verfahren.

Unsere Kritik am Entwurf der VOSB richtet sich im Wesentlichen auf folgende Punkte:

  • Klassen, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet wurden, hatten  aus guten Gründen eine niedrigere Schülerzahl.
    Diese Klassenobergrenzen sind in der neuen Verordnung nicht mehr vorgesehen. 
  • Für eine Schülerin oder einen Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf waren 5 bis 10 zusätzliche Lehrerstunden vorgesehen. Diese Zuweisung wurde in den vergangenen Jahren bereits zunehmend unterschritten. Jetzt soll sie noch  weiter reduziert werden. 
  • Die Vorschriften zur Einrichtung und zur Arbeit von Förderausschüssen sind in hohem Maße bürokratisiert und zeitaufwändig. Schülerinnen und Schüler, deren adäquate Förderung die Möglichkeiten der Regelschule übersteigt, sollen dann doch einer „Förderschule“ zugewiesen werden.
  • Der Übergang von der Kindertagesstätte zur Schule für Kinder mit Anspruch sonderpädagogische Förderung ist nicht angemessen geregelt. Unversorgt bleiben die Schülerinnen und Schüler, die neu in die 1. Klassen kommen und für die im Regelfall Hilfen erst in der 2. Klasse greifen können. Es ist inakzeptabel, dass die Grundschullehrkräfte ohne Unterstützung das 1.Schuljahr bewältigen sollen.
    Und: Wo bleibt hier das Recht der Kinder auf zusätzliche Förderung?
  • Förderschullehrkräfte sollen, sofern ihre Stammschule eine allgemeine Schule ist, an Förderschulen versetzt werden. Die Entscheidung über sonderpädagogische Ressourcen und den Personaleinsatz liegt zukünftig vor allem bei den Beratungs- und Förderzentren.
  • Sprachheilklassen und Kleinklassen für Erziehungshilfe werden abgeschafft.
    Die Kolleginnen und Kollegen sollen überwiegend nur noch beratend tätig sein.
    Wie das allerdings personell konkret umgesetzt werden soll, lässt der Verordnungsentwurf vollkommen im Dunklen.

Für eine erfolgreiche und ernsthaft gewollte Inklusion aller Kinder fordern wir:

  • In der allgemeinen Schule brauchen wir multiprofessionelle Teams aus Regelschullehrerinnen und -lehrern, sozialpädagogischen Fachkräften und Lehrkräften mit besonderen Kenntnissen und Erfahrungen im Bereich der Förderdiagnostik und Förderpädagogik.
    Es darf keine Berufsgruppe zugunsten einer anderen abgeschafft werden!
  • Die personelle Versorgung inklusiver Schulen muss förderliche und arbeitsfähige Strukturen durch Kontinuität und Verlässlichkeit gewährleisten.  (Wichtig auch: Zeitliche Entlastung für die Kooperation in den Teams!)
  • Alle Kinder und Jugendlichen lernen und leben miteinander.
    Keine Trennung nach Art und Schwere der Beeinträchtigung! Das wäre Diskriminierung!
  • Inklusive Bildung, die grundsätzlich an allen allgemeinen und beruflichen Schulen
    möglich sein muss, stellt hohe Anforderungen. Dies erfordert spezifische Fachkenntnisse, die bisher in den Kollegien nicht im notwendigen Umfang vorhanden sind. Deshalb sind Möglichkeiten zu schaffen für umfangreiche ortsnahe  und kostenfreie 
    Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Eine veränderte Lehrer/innenausbildung ist notwendig.

Das Land Hessen ist verpflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention zur inklusiven Bildung umzusetzen.

Sehr geehrte Frau Henzler, ziehen Sie den vorliegenden Verordnungsentwurf zurück!

Schaffen Sie die inhaltlichen und personellen Voraussetzungen sowie die sachliche Ausstattung für inklusives Lernen aller Kinder und Jugendlichen! Lassen Sie eine neue Verordnung erarbeiten, durch die Inklusion wirklich gelingen kann!