Anlässlich der morgigen Debatte im Kulturpolitischen Ausschuss des Landtages um das geplante „Praxissemester“ erklärt Jochen Nagel, Vorsitzender der GEW Hessen:

„Das geplante Praxissemester ist eine Mogelpackung, die wieder einmal vor allem auf eines abzielt: Kürzen, kürzen, kürzen. Die Ausbildung der angehenden Lehrkräfte wird hierdurch keinesfalls verbessert oder praxisnäher. Das Gegenteil ist der Fall: Da das geplante Praxissemester alle bisherigen und aufeinander aufbauenden Praxisphasen (Orientierungspraktikum, Betriebspraktikum, schulpraktische Studien), die einen spezifischen Beitrag zur Entwicklung von Lehrerprofessionalität leisten, ersetzt, stellt es faktisch eine Verschlechterung der Ausbildung dar. Auch eine wirkungsvolle Unterstützung und Betreuung der Studierenden ist in keiner Weise angedacht.“

„Zu beachten ist überdies, dass die Praktikantinnen und Praktikanten in einem sehr frühen Stadium ihres Studiums an den Schulen unterrichten sollen. Zu diesem Zeitpunkt haben sie weder eine hinreichende fachliche oder fachdidaktische Ausbildung noch können sie bereits die professionelle Reflexionsfähigkeit ausgebildet haben, um Schülerinnen und Schülern wirklich gerecht zu werden. Erneut werden diese also zu Versuchsobjekten bildungspolitisch unausgegorener Reformen gemacht“, so Nagel abschließend.

 

6,5 Prozent Lohnzuwachs für die Tarifbeschäftigten sowie Übertragung des Ergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten des Landes forderte Karola Stötzel, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW-Hessen, zur ersten Verhandlungsrunde Anfang Februar in Wiesbaden. Am 22. Februar gehen die Verhandlungen auf der Arbeitsebene in die zweite Runde.

Im Schulbereich in Hessen arbeiten derzeit über 9.000 Tarifbeschäftigte. „Über zwei Drittel dieser angestellten Lehrerinnen und Lehrer haben nur befristete Verträge. Viele von ihnen erhalten nach wie vor keine Bezahlung in den Sommerferien. Diese Praxis, die den Betroffenen keine Perspektiven bietet, muss deutlich eingeschränkt werden“, erläutert Karola Stötzel die Position der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Eine Praxis, die mittlerweile auch im Hochschulbereich zu einer starken Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse führt. 

„Inklusion ist in Hessen nicht gewollt und wird verhindert“

06.10.2012 - ALSFELD

(gsi). Wie vertragen sich Schuldenbremse und inklusive Bildungspolitik? Am Donnerstagabend hatten der Kreisverband Vogelsberg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Kreisverband Alsfeld der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu einer öffentlichen Diskussion dieser Frage nach Eudorf eingeladen.

Nun ist die Katze aus dem Sack! Die Zuweisung der Ressourcen, also der Stunden, die ein Kind mit Förderbedarf an einer allgemeinbildenden hessischen Schule erhält, ist in den Schulen angekommen. Für die meisten Kinder, die endlich aufgrund der UN-Menschenrechtskonvention in der allgemeinbildenden Schule aufgenommen werden können, bedeutet dies eine extreme Verschlechterung ihres individuellen Lernweges. Konnte das Kind noch im letzten Schuljahr damit rechnen im Rahmen des gemeinsamen Unterrichts eine Förderung durch eine besondere Lehrkraft von beispielsweise 5 Stunden zu erhalten, in einer Klasse zu sein, die mit höchstens 20 Kindern für die besondere gemeinsame Lernsituation zugeschnitten war und ,durch die Beratungs- und Präventionskompetenz einer Förderschullehrkraft gestützt, an der jeweiligen Schule eine Lehrerin zu erhalten, die so zunehmend  professionalisiert wurde, hat es im kommenden Schuljahr davon fast nichts mehr zu erwarten. Dramatische Kürzungen in allen Bereichen der Sonderpädagogischen Förderungen führen zu Kapriolen, die man mit gesundem Menschenverstand nicht erklären kann. Hat so zum Beispiel eine Schule mit einer Philosophie des gemeinsamen Lebens und Lernens beschlossen, die Kinder mit einem besonderen Förderbedarf aufzunehmen und ihnen vor Ort in der Gemeinschaft ihren Platz nicht mehr zu verweigern, wird sie mit einer minimalistischen Zuweisung bestraft. Schulen, die von vorneherein abwiegelten und Kinder, aus welchen Gründen auch immer, nicht aufnehmen wollten, bekommen doch noch eine Nachsteuerung an Stunden. Da bleibt ein fader Beigeschmack! Sollten damit Eltern, die doch an einen Weg durch die juristischen Instanzen dachten, beschwichtigt werden? Fakt ist, dass z.B. an einer Schule, die im kommenden Schuljahr für drei Kinder einen Stundenbedarf von 15 h bekundet hat, in dieser Zuweisung 2,4 h erhält. Das ist so nicht hinnehmbar. Nicht umsonst braucht ein Kind mit besonderem Förderbedarf auch mehr Zeit, mehr Zuwendung und jemanden, der sich ganz speziell mit seinen Bedürfnissen beschäftigt. Dies ist die zentrale Aussage der UN-Behindertenrechtskonvention! Abgesehen davon, braucht jedes Kind in unseren Schulen diese Art von Zuwendung, damit alle mit gleichem Recht auf Bildung ihren Weg ins Leben nehmen können. Auch die hessischen Lehrerinnen und Lehrer haben ein Recht auf angemessene Arbeitsbedingungen. Wenn man ihnen immer mehr aufbürdet, werden sie unter der Last zusammenbrechen. Wie es dann um angemessene Vertretungen bestellt ist, haben die hessischen Eltern ja in den letzten „U-Plus-Jahren“ zur Genüge erfahren. Mit dem Wechsel im Kultusministerium sollte jetzt die Chance genutzt werden, endlich mit dieser unsäglichen Politik des Sparens am falschen Ende aufzuhören. Hoffentlich erkennt die neue Kultusministerin Nicola Beer die Zeichen der Zeit rechtzeitig!

 

Karin Hämmelmann, GEW Fachgruppe Grundschule

Wir danken unseren Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen. Im Kreisverband Alsfeld wurde folgendes Abstimmungsergebnis erzielt

Beamte
  GPRLL HPRLL HPRLL (GI-VB)
GEW 70,5% 67,5% 72,0%
DLH 14,5% 17,1% 14,2%
UL 9,4% 7,9% 9,2%
VBE 5,7% 7,6% 4,6%
Arbeitnehmer
  GPRLL HPRLL HPRLL (GI-VB)
GEW 100% 80,5% 87,0%
DLH - 19,5% 13,0%

Die Gesamtpersonalratswahlen im Überblick gew-hessen.de